Visitationsreflexion von Bischof Heinrich Timmerevers
Visitationsreflexion von Bischof Heinrich Timmerevers
Für die Gläubigen ist es ungemein wichtig, gerade in der großen Fläche dieser Gemeinde, in der die Gläubigen eine Diaspora erleben, immer wieder als Gemeinschaft zusammenzukommen. Dazu gehört natürlich die Feier des Gottesdienstes einerseits, und andererseits aber auch die Stiftung und das Erleben von Gemeinschaft in einer geschwisterlichen Atmosphäre. Für die Kirche ist die Sammlung immer ein Grundprinzip. Man sammelt sich, um das Wort Gottes zu hören, die Eucharistie zu feiern und Gemeinschaft zu konstruieren. Dann aber, und das ist die Sendung, das ist das Missionarische, geht man hinaus, um vor Ort in dem konkreten Leben des Umfeldes den Glauben zu bezeugen. Deswegen ist Gemeinschaft so wichtig. Ich bin beeindruckt, wie viel Mühe aufgebracht wird, um ein solches Zusammenkommen immer wieder zu ermöglichen. In besonderer Weise hat mich das angerührt, wie die zwölf Jugendlichen aus den verschiedenen Gemeindeteilen einige Distanzen überwinden müssen, um einmal im Monat zu einem Jugendabend zusammenzukommen. Der Austausch mit ihnen, das persönliche Gespräch, war ein großes Geschenk für mich, und ich denke, auch für die Jugendlichen, die dabei waren.
Es wurde der Wunsch geäußert, nach all den Aufgaben der Neustrukturierung der Pfarrei und der Gemeinden doch wieder zu dem zu kommen, was für unser Leben von großer Bedeutung ist: dass wir uns im Glauben bestärken lassen und uns gegenseitig in unserem Christsein ermutigen. Der Glaube muss immer neu vertieft werden, weil er in einer sich verändernden Welt und in einer sich verändernden Kirche stark gemacht werden muss, damit wir uns den Herausforderungen stellen können. Der Glaube ist die Kraftquelle für unseren Weg.
Manchmal wird angemerkt, irgendwie ist das Ende der Fahnenstange „in Sicht“. Wir wissen, dass die Kirche in einer großen Bedrängnis steht, und die Relevanz von Glauben und Kirche in der Gesellschaft abnimmt. Wenn wir in das Gesamt der Geschichte hineinsehen, erkennen wir, dass es immer ein Auf und ein Ab in der Kirche gegeben hat, jedoch hat sich die Kirche durch die Jahrhunderte und Jahrzehnte hindurch immer wieder neu formiert und auch in unterschiedlichen und veränderten Konstellationen ein Zeugnis für das Evangelium gegeben. Das löst zwar die Bedrängnis des Augenblickes nicht, aber es schenkt uns Hoffnung, die Kirche geht durch die Zeit, weil der Herr selber in ihr am Werk ist. Es scheint so, als wenn die Herausforderungen und die Belastungen für die Gemeindemitglieder und insbesondere für die ehrenamtlichen zunehmen werden, um den augenblicklichen Betrieb aufrecht zu erhalten. Das ist in der Tat eine große Herausforderung. Jedoch möchte ich die Gemeinde ermutigen, sich nicht überfordern zu lassen. Der heilige Albertus Magnus gibt dazu eine sehr klare Antwort: Sehen, was ist, tun, was möglich ist, lieben, was ewig ist. Als Menschen, die in dieser Zeit leben, als gläubige Christen, können wir unsere Augen nicht vor dem verschließen, was um uns herum geschieht. Die Veränderungen lösen Unsicherheit aus. Es kommt darauf an, dass wir uns dieser Wirklichkeit stellen und die Augen nicht davor verschließen: Sehen, was ist. Dann aber kommt es darauf an, dass wir mit unseren Möglichkeiten leben und unsere Möglichkeiten akzeptieren: Tun, was möglich ist. Es kann nicht sein, dass wir beständig mit einer Überforderung leben. Nicht wir bauen das Reich Gottes allein, sondern, so heißt es in einem Psalmvers: „Wenn nicht der Herr das Haus baut, mühen sich die Bauleute umsonst.“ Gott baut seine Kirche und wir sind Bauleute, wir tun das, was wir tun können, und der Herrgott wird selber an seiner Kirche mit uns und durch uns weiterbauen, mit den Möglichkeiten, die uns gegeben sind. Von daher ist der dritte Punkt sehr wichtig: Lieben, was ewig ist. In all dem, was zu tun ist, was in unseren Möglichkeiten steht, soll zum Ausdruck kommen, dass wir Menschen sind, die Gott lieben, der der Ewige ist. In dem biblischen Leitwort, dass sich die Pfarrei zur Neugründung gegeben hat, kommt das sehr deutlich zum Ausdruck. Da heißt es am Ende: Alles aber geschieht in Liebe.
Wenn ich auf die Berichte schaue, die ich in dieser Stunde gehört habe, und auf das sehe, was ich in diesen beiden Tagen in ihrer Gemeinde wahrgenommen habe, ist die Gemeinde auf einem sehr guten Weg. Ich wünsche allen Gemeindemitgliedern, dass sie auf diesem Weg mit Zuversicht, mit Gelassenheit und auch mit Freude weitergehen können.
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